Verantwortungsvolles Spielen

Für die meisten Menschen ist Geldspiel Unterhaltung. Für einen Teil wird daraus ein Problem, und der Übergang verläuft schleichend. Diese Seite erklärt, woran sich das erkennen lässt, welche Instrumente es gibt und wo Sie in der Schweiz Hilfe bekommen. Sie enthält keine Empfehlung zum Spielen. Sie brauchen jetzt jemanden zum Reden? Nationale Helpline Spielsucht: 0800 040 080 – kostenlos, anonym, rund um die Uhr, auf Deutsch, Französisch und Italienisch. Online-Beratung: sos-spielsucht.ch und safezone.ch. Bei Schulden: 0800 807 807. Für Jugendliche: 147.
Updated: September 8, 2026

Was Geldspielsucht ist

Geldspielsucht ist keine Frage von Willensstärke, sondern eine anerkannte Erkrankung. Die Weltgesundheitsorganisation führt sie in ihrer Klassifikation der Krankheiten als eigenständige Störung. Weil keine Substanz beteiligt ist, spricht man von einer stoffungebundenen Sucht oder Verhaltenssucht.

Nach der Definition der WHO liegt eine Geldspielstörung vor, wenn über einen längeren Zeitraum, in der Regel zwölf Monate, mehrere der folgenden Merkmale bestehen:

  • die Kontrolle über das Spielen ist beeinträchtigt, etwa über Beginn, Häufigkeit, Dauer oder Einsatzhöhe;
  • das Spielen erhält Vorrang vor anderen Aktivitäten, Interessen und Verpflichtungen;
  • das Spielen wird fortgesetzt, obwohl es negative Folgen für Familie, Beruf oder Finanzen hat;
  • es kommt zu einer erheblichen Beeinträchtigung wichtiger Lebensbereiche.

Das Verhalten kann durchgehend auftreten oder in Schüben. Zwischen unbelastetem Spiel und einer Störung liegt ein breiter Bereich riskanten Verhaltens. Genau dort sind Massnahmen am wirksamsten, weil sich die Gewohnheit noch leicht ändern lässt.

Ursachen und Risikofaktoren

Eine einzelne Ursache gibt es nicht. In der Regel wirken mehrere Faktoren zusammen, teils in der Person, teils in ihrer Lebenssituation:

  • Persönlichkeitsmerkmale wie hohe Impulsivität und ausgeprägte Risikobereitschaft;
  • depressive Verstimmungen, Angststörungen oder anhaltender Stress;
  • Lebenskrisen wie Trennung, Stellenverlust oder Trauer;
  • Konflikte in Familie, Freundeskreis oder am Arbeitsplatz;
  • bestehende Schulden und der Versuch, sie durch Gewinne auszugleichen;
  • geringes Selbstwertgefühl und fehlende Alternativen zur Entlastung;
  • Merkmale des Angebots selbst: kurze Abstände zwischen Einsatz und Ergebnis, ständige Verfügbarkeit, Beinahegewinne.

Zwei Muster gelten als besonders kritisch. Erstens das Spielen zur Verdrängung von Problemen statt zur Unterhaltung. Zweitens der Versuch, Verluste durch weiteres Spielen zurückzuholen. Beides verstärkt sich selbst.

Zahlen für die Schweiz

Die folgenden Angaben stammen aus der Schweizerischen Gesundheitsbefragung 2022 sowie aus dem Monitoringsystem Sucht und NCD von Bundesamt für Gesundheit und Obsan.

KennzahlWertQuelle und Stand
Risikoreiches oder problematisches Geldspielverhalten (letzte 12 Monate)4,3 % der Bevölkerung ab 15 Jahren, 2017 waren es 3,2 %Schweizerische Gesundheitsbefragung 2022
Hochgerechnet auf die Bevölkerung ab 15 Jahrenrund 265’000 Personen mit risikoreichem, rund 32’000 mit problematischem VerhaltenSchweizerische Gesundheitsbefragung 2022
Lebenszeitprävalenz risikoreich oder problematisch6,6 %, davon 5,8 % risikoreich und 0,8 % problematischMonAM, BAG und Obsan, Erhebung 2022
Unterschied nach Geschlecht (Lebenszeit)Männer 9,0 %, Frauen 4,2 %MonAM, BAG und Obsan, Erhebung 2022
Junge Erwachsene (20–24 Jahre, Lebenszeit)9,2 %MonAM, BAG und Obsan, Erhebung 2022
Veränderung der Spielsperren im Jahr 2025Zunahme um rund 16’400 SperrenMonAM auf Basis des Sperrregisters, Stand 2026

Zwei Einordnungen dazu. Zur Gesamtzahl der aktiven Spielsperren gibt es keine verlässliche Angabe, weshalb offiziell nur die jährliche Veränderung ausgewiesen wird. Und der deutliche Anstieg der Sperren seit 2019 hängt vor allem damit zusammen, dass seither Schweizer Spielbanken auch online anbieten dürfen; er ist kein direktes Mass für die Zunahme von Suchterkrankungen.

Warnzeichen

  • Ein problematisches Spielverhalten kündigt sich an. Diese Anzeichen sind gut belegt:Die Gedanken kreisen häufig ums Spielen, um vergangene Runden, um die nächste Sitzung oder um die Beschaffung von Geld.
  • Die Einsätze steigen, weil dieselben Beträge nicht mehr denselben Reiz auslösen.
  • Versuche, weniger oder gar nicht zu spielen, scheitern wiederholt.
  • Ohne Spielen entstehen Unruhe, Gereiztheit oder Nervosität.
  • Gespielt wird vor allem bei Stress, Niedergeschlagenheit oder Ärger.
  • Verluste werden durch weiteres Spielen oder höhere Einsätze zurückgeholt.
  • Über Häufigkeit, Einsätze oder Verluste wird gegenüber anderen nicht die Wahrheit gesagt.
  • Es wird Geld geliehen oder anderweitig beschafft, um weiterspielen zu können.
  • Beruf, Ausbildung, Partnerschaft oder Freundschaften leiden bereits sichtbar.

Selbsteinschätzung

Die folgenden Fragen ersetzen keine Diagnose. Sie helfen aber, das eigene Verhalten ehrlich einzuordnen. Beantworten Sie jede Frage mit Ja oder Nein, bezogen auf die letzten zwölf Monate.

  1. Haben Sie Ihre Einsätze erhöht oder spielen Sie zunehmend um höhere Beträge?
  2. Fühlen Sie sich unruhig, gereizt oder angespannt, wenn Sie nicht spielen oder weniger spielen wollen?
  3. Haben Sie versucht, das Spielen einzuschränken oder aufzugeben, ohne dass es gelungen ist?
  4. Beschäftigen Sie sich häufig gedanklich mit vergangenen oder geplanten Spielsitzungen?
  5. Spielen Sie vor allem dann, wenn es Ihnen schlecht geht, oder um Probleme zu vergessen?
  6. Haben Sie versucht, Verluste durch weiteres Spielen auszugleichen?
  7. Haben Sie gegenüber anderen über Ihr Spielverhalten, Ihre Einsätze oder Ihre Verluste die Unwahrheit gesagt?
  8. Hat Ihr Spielen bereits Ihre Beziehungen, Ihre Arbeit oder Ihre Ausbildung beeinträchtigt?
  9. Haben Sie sich zum Spielen Geld geliehen oder auf anderem Weg beschafft?

Einordnung. Schon ein einziges Ja ist ein Anlass, das eigene Spielverhalten zu überdenken und Limits zu setzen. Zwei bis drei Ja weisen auf ein erhöhtes Risiko hin; ein Gespräch mit einer Beratungsstelle ist an diesem Punkt sinnvoll und unverbindlich. Ab vier Ja bestehen mit hoher Wahrscheinlichkeit bereits ernsthafte Folgen. Rufen Sie in diesem Fall die Helpline 0800 040 080 an oder wenden Sie sich an eine Fachstelle. Das Gespräch ist kostenlos, anonym und verpflichtet zu nichts.

Diese Einschätzung ist ein Anhaltspunkt, keine ärztliche Beurteilung. Wer unsicher ist, klärt das am besten mit einer Fachperson.

Instrumente, die Ihnen zur Verfügung stehen

Seriöse Anbieter stellen mehrere Schutzfunktionen bereit. Sie finden sie in den Kontoeinstellungen, meist unter «Verantwortungsvolles Spielen» oder «Limits». Wirksam sind sie nur, wenn Sie sie vor der ersten Einzahlung setzen und nicht erst dann, wenn es eng wird.

InstrumentWas es bewirktWorauf zu achten ist
EinzahlungslimitBegrenzt den Betrag, den Sie pro Tag, Woche oder Monat einzahlen könnenErhöhungen werden oft erst nach einer Wartefrist wirksam, Senkungen sofort
EinsatzlimitBegrenzt die Höhe der einzelnen EinsätzeGilt häufig nicht für alle Spielkategorien
VerlustlimitStoppt das Spiel, wenn ein festgelegter Verlustbetrag erreicht istDie klarste Grenze, weil sie am realen Geldabfluss ansetzt
Zeitlimit und Realitäts-CheckBegrenzt die Sitzungsdauer und erinnert an die verstrichene ZeitErinnerung wirkt nur, wenn sie nicht routinemässig weggeklickt wird
Automatische AuszahlungGewinne ab einem bestimmten Betrag verlassen das SpielerkontoVerhindert, dass Gewinne unbemerkt zurückfliessen
Time-outSperrt das Konto vorübergehend, meist 24 Stunden bis mehrere WochenGeeignet für eine Pause, nicht für einen Ausstieg
SelbstsperreSchliesst Sie dauerhaft oder befristet vom Angebot ausReichweite unterscheidet sich stark, siehe nächster Abschnitt

Spielsperre in der Schweiz – und ihre Grenze im Ausland

Dieser Punkt ist der wichtigste auf dieser Seite, weil er auf vielen Websites falsch dargestellt wird.

Bei konzessionierten Schweizer Anbietern

Die Schweizer Spielbanken und die Veranstalterinnen von Grossspielen führen ein gemeinsames Sperrregister. Eine dort eingetragene Sperre gilt landesweit: für alle landbasierten Spielbanken, für deren Online-Angebote sowie für online durchgeführte Lotterien, Sportwetten und Geschicklichkeitsspiele. Seit 2025 erstreckt sie sich zusätzlich auf das Fürstentum Liechtenstein.

Sie können sich selbst sperren lassen, formlos über den Kundendienst oder mit dem Antragsformular des Anbieters. Eine Spielbank muss eine Sperre zudem von sich aus aussprechen, wenn sie erkennt oder gemeldet bekommt, dass eine Person überschuldet ist oder im Verhältnis zu ihren Mitteln zu hohe Einsätze tätigt. Eine freiwillige Sperre kann frühestens nach drei Monaten aufgehoben werden, und für die Aufhebung muss eine kantonal anerkannte Fachperson oder Fachstelle beigezogen werden.

Bei ausländischen Anbietern

Hier endet die Reichweite. Das landesweite Sperrregister erfasst ausländische Plattformen nicht. Eine Sperre bei einem ausländischen Casino wirkt ausschliesslich innerhalb dieses einen Anbieters, und nichts hindert Sie daran, sich beim nächsten neu zu registrieren. Genau darin liegt das grösste Schutzdefizit des ausländischen Angebots.

Wer sich ernsthaft schützen will, sollte sich deshalb nicht auf eine Sperre beim Anbieter verlassen. Wirksamer sind Massnahmen, die unabhängig vom einzelnen Casino greifen:

  • Eine Sperre im schweizerischen Sperrregister über einen konzessionierten Anbieter, die für das gesamte inländische Angebot gilt.
  • Eine Sperrsoftware auf allen Geräten, die Glücksspielseiten blockiert, eingerichtet mit einem Passwort, das eine Vertrauensperson verwahrt.
  • Eine Sperre von Zahlungen an Glücksspielanbieter bei Ihrer Bank oder Kartenherausgeberin; viele bieten diese Funktion an.
  • Das Löschen gespeicherter Zahlungsmittel und das Trennen von Krypto-Wallets, die für Einzahlungen genutzt wurden.
  • Eine Beratungsstelle, weil eine technische Sperre allein ein zugrundeliegendes Problem nicht löst.

Regeln, die sich im Alltag bewähren

  1. Legen Sie ein Budget fest, dessen vollständiger Verlust an Ihrer Lebenssituation nichts ändert, und behandeln Sie es wie Geld für einen Kinoabend: es ist ausgegeben, sobald es eingesetzt ist.
  2. Spielen Sie nie mit geliehenem Geld, nie mit Geld für Miete, Krankenkasse oder Steuern.
  3. Setzen Sie Zeit- und Verlustlimits, bevor Sie einzahlen, nicht während einer Sitzung.
  4. Hören Sie nach einem Verlust auf, statt ihn zurückholen zu wollen. Der Versuch ist das häufigste Einfallstor in eine Abwärtsspirale.
  5. Spielen Sie nicht unter Alkoholeinfluss, nicht bei Erschöpfung und nicht in emotionalen Ausnahmesituationen.
  6. Führen Sie über einen Monat Buch über Einzahlungen und Auszahlungen. Die Summe fällt fast immer anders aus als die Erinnerung.
  7. Behandeln Sie Geldspiel nie als Einkommensquelle. Über die Zeit ist der erwartete Ertrag negativ, das ist im Spielprinzip angelegt.
  8. Sprechen Sie mit einer Vertrauensperson darüber, wie viel Sie spielen. Heimlichkeit ist ein Frühwarnzeichen.

Für Angehörige

Weil keine Substanz im Spiel ist, bleibt eine Geldspielsucht oft lange unbemerkt. Auffällig werden meist erst die Finanzen: unerklärte Abbuchungen, geliehenes Geld, unbezahlte Rechnungen, Rückzug und Gereiztheit.

Was erfahrungsgemäss hilft: das Gespräch ohne Vorwurf suchen, konkrete Beobachtungen statt Verallgemeinerungen ansprechen, auf Hilfsangebote hinweisen und die Möglichkeit einer Spielsperre erwähnen. Was selten hilft: Schulden übernehmen, denn das verschiebt die Folgen, ohne das Verhalten zu ändern.

Wichtig ist auch Ihr eigener Schutz. Prüfen Sie gemeinsame Konten und Vollmachten, und holen Sie sich Unterstützung für sich selbst. Die Helpline 0800 040 080 berät ausdrücklich auch Angehörige. Meldet eine nahestehende Person einer Spielbank eine Suchtgefährdung, muss diese eine Sperre prüfen.

Hilfsangebote in der Schweiz

Alle folgenden Angebote sind kostenlos und vertraulich. Sie sind unabhängig von uns und von jedem Anbieter.

AngebotKontaktWofür
Nationale Helpline Spielsucht0800 040 080, rund um die UhrErstberatung auf Deutsch, Französisch und Italienisch, für Spielende und Angehörige
SOS-Spielsuchtsos-spielsucht.chInformation, Online-Beratung, Selbsttest, Adressen der kantonalen Fachstellen
Sucht Schweizsuchtschweiz.chInformation, Angehörigenberatung, Informationsmaterial in mehreren Sprachen
SafeZonesafezone.chAnonyme Online-Beratung durch Fachpersonen
Suchtindexsuchtindex.chVerzeichnis von Beratungsstellen, Therapieangeboten und Selbsthilfegruppen
Schuldenberatung0800 807 807, Montag bis Donnerstag 10 bis 13 UhrBeratung bei Schulden infolge des Spielens
Beratung für Jugendliche147, rund um die UhrAnlaufstelle für Kinder und Jugendliche
Careplaycareplay.chPrävention und Kurzintervention

Wenn es Ihnen sehr schlecht geht und Sie nicht mehr weiterwissen, wenden Sie sich an die Dargebotene Hand unter der Nummer 143. Sie ist rund um die Uhr erreichbar.

Unsere Haltung

Wir sind ein Vergleichsportal und finanzieren uns über Partnerprogramme. Das ändert nichts daran, dass Geldspiel abhängig machen kann und für einen Teil der Spielenden schädlich ist. Deshalb verwenden wir keine Dringlichkeitsversprechen, stellen Glücksspiel nicht als Einkommensquelle dar und benennen bei jedem Anbieter, welche Schutzfunktionen fehlen. Wenn Sie nach dem Lesen dieser Seite zum Schluss kommen, nicht zu spielen, ist das ein gutes Ergebnis.

Zugang ab 18 Jahren. Geldspiel kann abhängig machen. Hilfe: 0800 040 080.